Berlin ist sich einig wie selten
Mit der 0:1 Niederlage gegen Cottbus führte Hertha BSC den Abwärtstrend der letzten Wochen weiter fort. Zwar war die 11 von Falko Götz wie schon gegen Gladbach die spielbestimmende Mannschaft, aber die dritte Heimniederlage in Folge konnte trotzdem nicht verhindert werden. Die Stimmen gegen Götz werden immer lauter, aber im Olympiastadion war davon recht wenig zu vernehmen. Die Fans feuerten ihr Team bis zum Schluss bedingungslos an. Nach dem Spiel gab es trotz der Niederlage sogar vereinzelt Beifall. Vor dem Anpfiff skandierte die Fankurve des Olympiastadions: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“. Da die Herthaner auf dem Platz den Fans diesen Wunsch erfüllten, war von einer kollektiven Unzufriedenheit auf den Rängen kaum etwas zu vernehmen. Zufrieden geben konnten sich die angereisten Hertha-Fans, zumindest mit dem Ergebnis, allerdings nicht. Eventuell sind die Ansprüche der ansonsten so kritischen Hertha-Fans in letzter Zeit gesunken. Möglich wäre aber auch, dass die Berliner es entzwischen auch nur leid sind Mannschaft, Vorstand und Spieler auszupfeifen wenn es gerade nicht läuft.
Die Fankurve des Olympiastadions: Beifall trotz Niederlage (Bild: HERTHA-INSIDE.DE)
Doch nicht nur die Fans geben sich mit der erbrachten Leistung zufrieden. Auch der Manager sieht die Ursache für die Niederlage anscheinend woanders. Nach dem Spiel sagte Dieter Hoeneß: „Es war eine klare Notbremse. Der muss vom Platz. Das soll aber nicht heißen, dass der Schiri schuld ist. Wir hatten genug Chancen. Wir haben kämpferisch eine gute Leistung gezeigt und spielerisch in der ersten Hälfte weitesgehend hervorragend gespielt. Das war wie aus einem Guss. Aber wenn man so viele Chancen nicht macht, dann geht irgendwann so ein Ding rein. Das ist der Klassiker.“
Falko Götz nahm seine Mannschaft in Schutz: „Wir haben ordentlich gespielt, das Tor aber nicht gemacht. Die Mannschaft hat sich ausgepowert und alles probiert. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“
Patrick Ebert, der heute 20 wird, war der wohl beste Mann auf dem Platz. Gemeinsam mit Marko Pantelic hatte Ebert die meisten Torschüsse (beide 4). Auch die meisten Torschussvorlagen kamen von Patrick Ebert (ebenfalls 4). Mit seiner kämpferisch starken Leistung konnte Ebert im rechten Mittelfeld überzeugen.. Aber nach dem Spiel erging es ihm wie seinen Kollegen, denn auch er fand keine richtige Antwort auf die Frage, warum dieses Spiel verloren ging. Patrick Ebert nach der Partie: „Wir machen über 90 Minuten das Spiel und kriegen dann so ein Ding rein. Das ist sehr ärgerlich. Wir haben im Moment einfach kein Glück. Aber in den nächsten Spielen sieht es vielleicht wieder ganz anders aus.“
In Berlin herrscht also selten große Einigkeit darüber, dass die Mannschaft an der Niederlage keine Schuld trifft. Die Fans des Vereins, die Akteure und die verantwortlichen – alle sind einer Meinung. Sogar die Berliner Boulevardblätter teilen die Ansicht. So schreibt der Berliner Kurier über die Partie: „Hertha BSC kommt aus der Krise nicht raus. Siebtes Spiel in Folge ohne Sieg. 0:1 (0:0) im Derby gegen Cottbus. Aber diese dritte Heimpleite in Folge war nicht peinlich. Hertha hat toll gekämpft, aber leider vor 51 831 Fans wieder alles vergurkt.“
Aber warum konnten die Herthaner die drückende Überlegenheit gegen schwache Cottbuser nicht nutzen? Ein Grund war mit Sicherheit der überragende Ex-Herthaner Gerhard Tremmel, der vor der Saison zu Energie Cottbus wechselte und heute nur von anfang an im Kasten stand, weil Stammtorhüter Tomislav Piplica am letzten Spieltag gegen Alemmania Aachen mit einem Teamkollegen zusammenstieß und sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Wenn man sich aber den gesamten Spielverlauf ansieht, wird deutlich, das zwar ein großteil des Spiels vor dem Cottbuser Strafraum stattfand, Tremmel dafür aber verhältnismäßig selten wirklich gefordert wurde. Denn die Herthaner beherrschten zwar den Gegner, verstanden es aber nicht, vor dem Tor echten Druck aufzubauen. Dafür wirkten die Angriffsversuche zu plan- und ratlos. Es war kein echtes System erkennbar und echte Spielzüge kamen gar nicht erst zustande. Trotz eines starken Kevin-Prince Boateng auf der Position des Kreativspielers im offensiven Mittelfeld, wirkten teile der Mannschaft streckenweise richtiggehend verunsichert. Das beste Beispiel für die allgemeine Verunsicherung die sich momentan durch die gesamte Mannschaft zieht, ist der Brasilianer Gilberto, der zwar eine starke erste Hälfte spielte, nach dem glücklichen Gegentor kurz nach der Halbzeit aber völlig untertauchte. Die Defizite in der Offensive haben der Hertha bereits in Gladbach 3 Punkt gekostet müssen auf Trainingsrückstände zurückzuführen sein. Anders lässt sich die verheerende Harmlosigkeit vor dem Gegnerischen Tor nicht erklären.

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